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Usbekistan-01

Dienstag, 03. Mai, so gegen 19.00 Uhr:

Die Sonne geht langsam unter. Die Grenze ist schon geschlossen. Wir sind die Einzigen hier.

Nach dem Unfall- und Rausgeschmissenwerden- Schock in Turkmenistan atmen wir durch. Wir konnten praktisch auf den allerletzten Drücker Turkmenistan verlassen. Wir sind glimpflich davongekommen. Clelia ist ganz ok, kann natürlich nur sehr eingeschränkt etwas humpeln, sie ist auf „Tramadol- Droge“. Wir sind beide voller Adrenalin. Soweit wir das überblicken können, haben wir alle unsere Sachen. Und, beide Bikes sind bei uns.

Unsere Sachen sind wild durcheinander. Das ist ein Berg aus Alukisten, Taschen, Gepäckrollen, Clelias Helm und Stiefel, Motorradklamotten, ein Tankrucksack, irgend eine Rolle, ein Klappstuhl,... Die Polizei in Turkmenistan hatte das alles irgendwo draußen in den Dreck geschmissen, nachts hatte es geregnet, und vorhin haben wir alles in großer Eile auf den kleinen LKW geladen. Benzin lief noch aus, heilige Scheiße! Bloß weg da...

Alle, angefangen unsere Botschaft, der nette Herr vom turkmenischen Außenministerium, die Polizei, hatten uns gewarnt. Niemals können wir mit den Motorrädern aus- und erst recht nicht in Usbekistan einreisen. Wir sollten alle unsere Sachen in Turkmenistan zurücklassen, ausreisen, mit dem Zug nach Taschkent fahren und dort ein neues Visum für Turkmenistan beantragen. Dann könnten wir ja zurück kommen und unsere Sachen holen… Mittlerweile haben wir andere Reisende getroffen, viele haben für Turkmenistan kein Visum erhalten, ohne Begründung, einfach so, die reine Willkür. Hätten wir das so gemacht, wäre das ein Totalverlust unserer gesamten Habe geworden, das wissen wir heute!

Jetzt also sind wir innerhalb des Grenzgeländes von Usbekistan. Wir wollten eigentlich am Zaun zelten und die Einreise morgen machen, aber das geht leider nicht. Die Grenzbeamten sind sehr unfreundlich. Sie wollen offensichtlich nichts mit dem Schrotthaufen der da liegt zu tun haben, sind sehr erbost darüber was wir uns hier anscheinend mit ihnen erlauben.

Wir erklären unsere Situation, den Unfall, dass wir Hals über Kopf ausreisen mussten, dass wir das Motorrad reparieren wollen. Skeptische Blicke. Dass Jürgen ein Mechaniker, ein Spezialist ist. Dass das sein Beruf ist. Jetzt finden sie das spannend. Ungläubig, distanziert und unwillig sind sie aber dennoch. So richtig klar, was denn jetzt weiter wird, ist es nicht.

Jürgen spricht mit den Grenzern über Motorräder, sie schauen sich alles an, er erklärt einiges. Er dreht sich eine Zigarette, bietet ihnen eine an, das finden die Jungs faszinierend. Alle entspannen sich sichtlich. Und irgendwann entscheiden sie, uns für ehrliche Häute zu halten und wollen trotz Feierabend mit der Einreise anfangen. Also dann mal los:

Zunächst muss der ganze Kram vom Grenzzaun in ein Gebäude, ca 500 Meter entfernt. Wir schleppen alles nach und nach dorthin. Jürgen fährt sein Motorrad weg. Clelias Motorrad (der Schrotthaufen) bleibt erst einmal da, später wird es irgendwie über die Straße geschleift, hier packen die Jungs mit an.

Zuerst müssen die Kennzeichen fotografiert werden. Das dauert sage und schreibe 1 Stunde. Der Grund: die Kennzeichen reflektieren, es gibt kein ordentliches Foto. Irgendwann druckt ein Grenzer die Kennzeichen auf einem Blatt Papier aus und klebt sie auf das Blech. Super Idee...

In der Zwischenzeit sitzt Clelia apathisch auf einem Stuhl. Wir gehen eigentlich davon aus, dass wir zumindest das kaputte Motorrad hier lassen müssen. Aber das ist allemal besser als irgendwo in Turkmenistan. Wir füllen unsere Zollerklärungen aus, hier muss nur das eingeführte Geld eingetragen werden.

Immer wieder erklären wir was wir gerade machen: eine lange Reise, um Länder und die Menschen dort kennenzulernen. Wo wir schon waren und wohin wir noch wollen. Dass wir gern Motorrad fahren. Dass wir an unseren Motorrädern sehr hängen.

Nach einer Ewigkeit müssen wir in ein zweites Gebäude. Wieder alles nach und nach dorthin schleppen. Die Motorräder hin fahren bzw. schleifen. Hinsetzen. Unsere Pässe werden kontrolliert, wir bekommen unsere Einreisestempel. Unsere Fahrzeugpapiere und Führerscheine werden kontrolliert und in einem Computer eingetragen. Auch das dauert. Aber langsam dämmert uns, dass BEIDE Motorräder erfasst und eingetragen werden. Das würde ja bedeuten, dass BEIDE auch eingeführt werden können...

Ganz leise Hoffnungsfunken...

Die Carnet´s will keiner sehen, genau so wenig wie in Turkmenistan. Ist uns recht.

Mittlerweile ist es stockdunkel und sicher weit nach 22.00 Uhr. Wir sind hundemüde und fertig. Nochmal zur Erinnerung: GESTERN erst hatten wir einen schweren Unfall. Wir haben seitdem nicht wirklich geschlafen… Die Grenzer beschließen, dass jetzt erst einmal alle essen, wir auch. Los, mitkommen. Und dann sitzen wir zusammen mit ihnen in ihrem ganz persönlichen Aufenthaltsraum, es gibt selbst gekochtes leckeres Essen, Tee und Salat. Eine ganz eigene freundliche Atmosphäre herrscht und wir sind satt und glücklich und zufrieden.

Dann fragen sie uns wie es jetzt weiter geht. Es ist mitten in der Nacht, wir haben kein usbekisches Geld und keine Ahnung wo wir schlafen können. Zelten direkt hinter der Grenze geht nicht.

Aber sie haben schon rumtelefoniert, ein Kumpel kommt uns holen, sie haben einen festen Preis mit ihm vereinbart und ein Hotel ausfindig gemacht. Irgendwann mitten in der Nacht kommt ein kleiner Daewoo Minibus. Dort hinein wird jetzt das kaputte Bike verfrachtet, all unser Gepäck, und ich. Jürgen muss hinterher fahren. 50 km, elende Piste, blöde Köter rennen bellend mit, mitten in stockfinsterer Nacht. Nochmal Adrenalin pur...

Alles geht gut. Wir bezahlen für die Stunde Fahrt 10$ und sind gegen 02.00 Uhr in Urgansh im Sher Hotel. Sowjetstyle vom Feinsten. Wir kaufen eine Flasche Wodka, trinken zwei Gläser, sind blau – und glücklich...

Das war wohl für beide Seiten einer der ungewöhnlichsten Grenzübergänge überhaupt. Uns ist völlig klar, dass das absolut außer der Norm war. Wir beide sind ein gutes Team, haben das zusammen durchgestanden. Mit Ruhe, mit Bestimmtheit, mit Freundlichkeit, mit Diplomatie. Nicht einen Cent haben wir bezahlen müssen. Wir sind mächtig stolz.

Ja, wir haben es geschafft! Wir sind in Usbekistan. Mit unseren beiden Motorrädern. Mit unseren ganzen Sachen. Hier haben wir jetzt 30 Tage Zeit um zu überlegen wie es weitergehen kann.

 

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