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Korsika 2017

Endlich. Wir haben nach etwa einem Jahr unsere beiden Motorräder wieder daheim.

http://www.transworld2014.de/index.php/erfahrungsberichte/78-transport

Jürgen musste ein paar Kleinigkeiten machen, so wurde Clelias Vorderrad neu gespeicht und ausgewuchtet. Auch neue Reifen gab es. Aber dann ist es endlich soweit: 4 Wochen Urlaub und unser Ziel ist diesmal Korsika.

Wir besuchen das erste Horizons Unlimited Treffen in der Schweiz, treffen jede Menge gute Bekannte, und fahren dann direkt nach Genua, um mit der Nachtfähre nach Bastia zu gelangen. Es ist am Ende der Saison, wir haben keine Probleme, direkt am Hafen Tickets zu bekommen. Teuer ist es auch nicht.

Startklar. Alles gepackt.

Genua, Hafen. Kurz vor der Abfahrt.

Um 21.00 Uhr legt die Fähre ab und um 08.00 Uhr am nächsten Morgen ist man schon in Bastia. Die Sonne scheint von einem stahlblauen Himmel. Es duftet nach Sommer, nach Süden. Nach einem kleinen Frühstück fahren wir die Küstenstraße an der Ostküste entlang. Wir suchen einen Campingplatz am Meer und wollen erst einmal die Seele baumeln lassen. Gebucht haben wir nichts, wir verlassen uns darauf, dass immer irgendwas geht. Wir wollen uns treiben lassen, uns ein bissel wie auf Weltreise fühlen...

Wir finden das Riva Bella Camping. Wunderschön direkt am Meer. Es gibt vom einfachen Platz für´s Zelt bis zu klimatisierten Bungalows direkt am Strand alles. Wir zelten für 32€ pro Nacht, gönnen uns aber etwas Luxus und mieten ein Eisfach. Später kommen 2 Männer und bringen uns einen ganzen Kühlschrank. So komfortabel waren wir bisher noch nicht unterwegs.

Während Jürgen die Umgebung erkundet, zum Beispiel eine richtige „Jungsrunde“ um die halbe Insel dreht, plant Clelia eine schöne gemütliche „Mädchenrunde“. Denken wir zumindest...

Wir wollen in die Castagniccia, in die uralten Kastanienwälder. Die Stecke auf der D71 von Cervione – Piedicroce – Morosaglia bis nach Ponte Leccia führt in die Berge ins Landesinnere und ist ein einziger Motorradfahrertraum. 150 km Kurven, kaum Verkehr, vielleicht (noch) ein Geheimtipp. Die Strecke macht Spaß! Aber, Gemütlich geht anders! Wir genießen die magische Stimmung der uralten Kastanien, fahren durch enge Dorfstraßen auf denen mal ein Hund, mal ein paar Schweine oder Ziegen in der Sonne dösen, nehmen beherzt einige Schotterabschnitte unter die Räder, und fahren über Corte zurück zu unserem Campingplatz. Es wird schon dunkel, als wir nach 12 Stunden ankommen, müde und glücklich.

Edelkastanien (Castanea sativa)

Weil es hier nur Berge und Meer gibt, sind Anbauflächen für Getreide knapp. Um nicht teures Mehl importieren zu müssen, gab es seit dem 13. Jahrhundert Mehl aus Kastanien, und jede Menge Produkte daraus. Zum Glück auch heute noch, obwohl mittlerweile der wirtschaftliche Kastanienanbau aufgegeben wurde.

Manche Bäume sind Jahrhunderte alt und können bis zu 60 Meter hoch werden.

Für die überall frei herumlaufenden schwarzen Schweine liegen die leckeren Kastanien direkt vor der Schnauze.

Es ist ganz logisch: letztes Jahr auf unserer Weltreise hatten wir einen ganzen Koffer voller Werkzeug, Ersatzschläuche und Ersatzteile mit. Man weiß ja nie. Diesmal sind wir ja in Europa, wir sind im ADAC und hier gibt es alles. Wir sind also mit leichtem Gepäck unterwegs. Prompt zicken beide Maschinen rum. Gehen aus, springen nicht an, rasseln ganz fürchterlich.

Und so ist Fehlersuche und Schrauben angesagt. Zündkerzen haben wir natürlich auch, aber zu Hause.

Es stimmt: alles das was du mit hast, geht mit Sicherheit nicht kaputt...

Schließlich ist alles wieder in Ordnung. Jetzt haben wir genug vom Beach und Faulenzen mit Kühlschrank am Zelt.

Wir brechen auf, weiter nach Süden. Die Küstenstraße gibt uns nichts, immer noch ziemlich voll, trotz Nachsaison. In der Nähe von Porto Vecchio biegen wir rechts ab, auf kleine, dann ganz kleine Straßen, daraus werden Pisten. Hier ist kein Mensch. Mitten in diesem Nirgendwo liegt versteckt der Campingplatz Ufuru. Eigentlich gibt es ein Hinweisschild, das ist aber komplett zugewachsen. Ruhe und Einsamkeit findet hier, wer das mag. Abends sagt man Bescheid, wie viel Baguette man morgens haben möchte. Und es gibt tolle Wanderwege. Mit 11€ pro Nacht ein echter Tipp von uns.

41° 37' 4.0'' N
9° 12' 44.0'' O

Am nächsten Tag fahren wir nach Bonifacio an der Südspitze. Es ist Nachsaison, es ist mitten in der Woche, und doch benötigen wir für die wenigen Kilometer in die Innenstadt eine ganze Stunde. Stop and go, Touristenbusse, Autos, Gehupe – schrecklich. Als wir endlich da sind und unsere Motorräder zum Glück einfach an der Hafenmole parken können, werden wir von chinesischen Touristen ohne jede Berührungsängste umringt. Wir flüchten in ein Cafe. Zwei Cafè au lait 10€! Der nächste Schock kommt bei der Quartiersuche. Kein Zimmer unter 200€! Nein danke. Dazu haben wir keine Lust.

Schade, wir haben gelesen, dass Bonifacio eine der schönsten Orte auf Korsika sein soll. Leider haben wir genau den falschen Zeitpunkt erwischt für einen Besuch. Ein bisschen traurig setzen wir uns auf unsere Bikes und fahren aus der Stadt heraus Richtung Nordwest. Hier finden wir einen akzeptablen Campingplatz für eine Nacht, bevor wir aufbrechen nach Sartene (oder Sartè, wie die Korsen sie nennen).

Hier erleben wir wieder einmal eine dieser tollen Momente, die nur spontan und ungeplant entstehen. Während wir langsam durch die engen Gassen der Altstadt fahren, kommen wir an einem Bistro vorbei, vor dem mehrere Motorräder stehen. Die Biker begrüßen alle vorbeifahrenden Biker euphorisch. Kurz entschlossen machen wir hier Pause. Großes Hallo. Wir tauschen Tipps aus, essen korsische Köstlichkeiten, und erzählen unsere Weltreiseabenteuer. Ein toller Nachmittag!

Was uns ebenfalls in Korsika gefällt, dass es überall regionale Produkte gibt. Wir haben eine Broschüre gefunden, die viele regionale Erzeuger vorstellt. La Route des sens authentiques.

http://www.gustidicorsica.com

Natürlich haben wir vieles getestet (und ausnahmslos für gut bis excellent befunden). Ein Wein der Domaine San Micheli hat es uns besonders angetan. Dieser Wein stammt aus der Nähe von Sartene. Da müssen wir hin. Leider, oder zum Glück, ist die Ladekapazität unserer Motorräder sehr eingeschränkt, so reicht es nur für einige Flaschen als Wegzehrung.

Dann geht es weiter auf der N196 in Richtung Propriano. Kurz vor der Stadt biegen wir wieder ab in eine der unzähligen kleinen engen Sträßchen, diese hier führt uns nach Belvedere Campomoro. Wie der Name schon sagt, die Strecke ist wieder mal heftig, eng, teilweise schlecht, aber dann… Ist man einfach sprachlos angesichts der wilden Schönheit dieser Landschaft.

Unser Campingplatz. Einfach, aber ok. Hier bleiben wir zwei Tage, bevor wir der N196 weiter Richtung Ajaccio, der Hauptstadt Korsikas und Geburtsort von Napoleon Bonarparte, folgen. Diese lassen wir links liegen. Es ist Nachmittag und entsprechende rush hour. Und auch hier gab es wieder keine halbwegs bezahlbaren Quartiere.

Dies ist uns überall auf der Insel aufgefallen. Spontan über Internet oder auch direkt vor Ort gibt es fast keine preiswerten Unterkünfte. 60€ für ein Zimmer ohne Dusche und Klo auf dem Gang sind ein echtes Schnäppchen. Und es war September. Wie mag es da in der Hochsaison aussehen? Wild campen geht im Landesinneren wohl, aber nicht an der Küste, haben uns unsere neuen korsischen Bikerfreunde gesagt. Gute und mit durchschnittlich 30€ akzeptable Campingplätze haben wir aber immer gefunden. Nahe Ajaccio zum Beispiel den Camping U Prunelli.

Morgens geht es direkt weiter nach Porto. Natürlich nehmen wir die anspruchsvolle und schönere Strecke entlang der Küste. Die D81 – von uns zur schönsten Küstenstraße Korsikas gekürt.

Sanfte, mitunter aber auch recht anspruchsvolle Kurven schlängeln sich entlang der Berge rechterhand, und dem Meer auf der linken Seite. Malerische Küstenorte an wunderschönen Buchten entfalten französisches Flair. Mittags fahren wir halsbrecherisch enge und steile Gassen zu einem Yachthafen und genießen ein phantastisches Essen, Sonne und Meer.

Weil wir uns hier etwas verbummeln, schaffen wir es nicht ganz bis nach Porto. Die Tour war anstrengend, es ist später Nachmittag, es fängt zu regnen an, und so übernachten wir kurz entschlossen und unspektakulär noch einmal in Piana.

Am nächsten Morgen brechen wir ganz früh auf. Im besten Morgenlicht, noch weitgehend Auto- und vor allem Busfrei, erleben wir die Calanche, eine im wahrsten Sinne dem roten Felsen abgerungene Kurvenorgie mit immer wieder spektakulären Ausblicken.

D81 Ajaccio – Porto: in den Top Ten der schönsten Touren in Europa auf jeden Fall ganz weit oben. 80 km in 2 Stunden? Nein, eine ausgewachsene Tagestour vom Feinsten. Und am Ende der Höhepunkt, die Calanche.

Eigentlich wollten wir von Porto aus die Insel weiter nach Norden bereisen, nach Calvi, in die deserto, die Wüste, um das Cap Corse. Aber trotz 4 Wochen Urlaub läuft uns wieder mal die Zeit davon. Außerdem ist das Wetter nicht mehr stabil, im Norden soll es regnen.

So entschließen wir uns, ein anderes Highlight zu fahren: die D84 nach Corte. Die Spelunca Schlucht, Urwälder im Foret de Valdu Niellu, und dann die Scala di Sta Regina. Diese Tour macht der vorhergehenden eindeutig den Rang streitig, kommt auf jeden Fall auch in die Top Ten. Einfach nur geil!

Auch hier: nur 84 km, 2 Stunden? Eine saubere Tagestour, und zwar ohne viele Pausen.

Die Straßen werden nicht nur von Fahrzeugen benutzt...

In der Nähe von Corte gibt es eine uralte Brücke, die noch aus der Römerzeit stammen soll. Hier wollen wir ein paar schöne gestellte Fotos machen.

Voila.

Leider ist unser Objektiv bei einem Sturz kaputt gegangen. Die Weltreise und auch dieser Urlaub haben Spuren hinterlassen. Die Bodies sind staubig, ein Objektiv kann nicht mehr zoomen. Wir haben in diesem Urlaub bewusst nur das wirklich Nötigste mitgenommen, auf GoPro, Drohne, Zweit- und Drittkamera mitsamt Dritt- und Viertobjektiv verzichtet. Richtig gute Bilder gelingen nicht so im Vorbeifahren, das braucht Zeit, bissel Vorbereitung, gutes Licht. Fotografiert haben wir dann, wenn wir wirklich Lust und Gelegenheit hatten.

Wir hatten Urlaub, waren zum ersten Mal seit unserem Nachhauskommen letztes Jahr wieder mit unseren beiden vertrauten Schätzchen unterwegs. Für Clelia war es eine Premiere nach dem schweren Unfall in Turkmenistan. Wie würde sich das Fahren anfühlen? Haben wir noch Spaß daran?

Eindeutig JA!

Außer ein paar leichten Umfallern ist nichts passiert. Immerhin ist Clelia mit 2:1 hier Siegerin...

In Korsika haben wir uns sofort verliebt. Wir sind genauso unterwegs gewesen wie wir es lieben, ohne festen Plan, neugierig und spontan.

Nach ein paar ruhigen Tagen am Meer, mit Ausflügen zur benachbarten Austernzucht, verabschiedet sich Korsika von uns mit spektakulären Sonnenaufgängen.

A Corsica, addiu u vedi prestu.

La Corse, au revoir et à bientôt.

Korsika, Auf Wiedersehen und bis bald.

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