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Iran02

Die ersten Tage im Iran waren für uns voller Eindrücke: Chaosverkehr in Bandar Abbas, schlechte Straßen, Pisten, Schotter, wunderschöne endlose Pässe, Berge, freundliche Menschen, nervige Leute, Geschichte, wunderbares Camping, ...

Jetzt sind wir bereit für unser erstes Wüstenerlebnis: die Dasht-e-Lut. Am Anfang, in der Nähe von Shadad, sind wunderbare Yardang-Formationen (persisch Kalut) zu sehen, die durch stetige Winde entstanden sind. Ausgangspunkt für die Fahrt dorthin ist Kerman, Richtung Shadad. Jürgen hat hier tolle Aufnahmen mit dem Quatrokopter gemacht, dazu gibt es demnächst einen Wüstenfilm.

Nach diesem Highlight müssen wir uns entscheiden: Shiraz und Persepolis oder stattdessen nach Yazd und Esfahan. Wieder einmal sind wir durch die Visa eingeschränkt. Auch hier hätten wir gern mehr Zeit für dieses Land. Die Dimensionen sind gewaltig. Der Iran ist viermal so groß wie Deutschland. Was auf der Karte wie ein Katzensprung aussieht sind schnell mal 500 km.

Ein Zeitsprung (wir haben uns für Yazd und Esfahan entschieden, diese Städte bekommen einen eigenen Blog). Noch eine Woche haben wir im Iran, dann müssen wir in Turkmenistan einreisen. Vor uns liegen bis dorthin 1.500 km. Wir verlassen Esfahan, fahren zurück nach Naen, weiter auf der N62 in die große Salzwüste Dasht-e-Kavir. Wie überhaupt der gesamte Iran liegen die Wüstengebiete auf ca 1.000 Meter Höhe, immer wieder mal unterbrochen durch kleine Berge und ab und zu schon mal ein kleines 3.000er Päßchen. Jetzt im April ist es hier traumhaft: immer um die 30 Grad, in den Bergen etwas kühler.

Als wir noch überlegen wo wir denn unser Zelt aufstellen können, sehen wir ein verlassenes Fort. Kein altes, sondern ein ehemaliger Militärposten. Hier ist niemand mehr, hier sieht uns kein Mensch, hier schlagen wir unser Zelt auf. Anfangs komisch, schlafen wir wunderbar.

N 32.59.540
O 53.18.667

Am nächsten Tag kommen wir ziemlich früh in Amarak an. Hier werden wir positiv überascht von einem wirklich guten Platz für eine Pause. Sauberes Klo, Dusche (!), kühle Getränke, kein Generve.

Von Anarak aus geht es schnurgerade weiter auf der N62. Nächste Tankstelle 195 km. Wir haben uns vorbereitet, nochmal voll getankt, Wasser, Essen aufgefüllt, und fühlen uns doch etwas mulmig angesichts dieser endlosen Weite.

Irgendwann teilt sich die Straße: nördlich nach Damghan und westlich nach Tabas. Von anderen Reisenden und von Einheimischen wissen wir, dass die nördliche Straße militärisches Sperrgebiet und nicht erlaubt ist. Wir achten peinlichst darauf, die richtige Straße zu nehmen, mit den persischen Bezeichnungen oft nicht ganz einfach. Ein Polizeiposten muss wieder mal passiert werden, und wir sind weiter unterwegs, Richtung Khor.

Alle Lonely-Planet-Backpacker fahren nach Mesr. Uns wurde von Einheimischen in den höchsten Tönen von diesem Ort geschwärmt. Wir wollen schauen wie weit wir kommen, einen extra Umweg (wie eigentlich laut Karte notwendig) wollen wir aber nicht machen. Ca 20 km vor Khor steht ein Riesenschild „Mesr 60 km“, frisch geteerte Abfahrt nach links. Na da fahren wir jetzt doch hin. Und werden reichlich belohnt mit einer mal mehr mal weniger guten Piste, die wir wieder ganz für uns allein haben. Wir staunen, halten an, fotografieren, halten an, fotografieren, halten an, ...

Mesr erinnert uns ein bisschen an ein Hippidorf, nur halt im Iran. Eine ganz eigene lockere fröhliche Atmospäre spüren wir, absolut unerwartet. Allerdings haben wir wohl Glück, denn noch 2 Stunden vorher waren hier 20 (!) Busse im Ort. Die sind jetzt alle weg. Zimmer gibt es hier reichlich, aber wir wollen kein Geld ausgeben und zelten etwas außerhalb. Der Ort liegt inmitten großer Sanddünen, auf denen man rumklettern kann. Ein wirklich guter Tipp.

Mir fällt sofort auf, dass die Frauen im Ort eher bunt und chic daher kommen. Ich werde angesprochen, ob ich denn keine Probleme im Iran mit meinem Motorrad hätte. Im Iran sind Bikes über 250 ccm verboten, Frauen dürfen überhaupt nicht Moped fahren. Nein, bis jetzt war alles ok. Auch mit der berüchtigten Kleiderordnung komme ich ganz gut klar.

Wie wir also so gemütlich sitzen, einen echten Cappuccino und ein Eis (mitten in der Wüste!) genießen, fragt mich die nette Cafehausbesitzerin, ob sie mal auf meinem Bike sitzen darf. Na klar doch! Blick nach rechts, Blick nach links, der ohnehin nur Alibischleier fliegt weg, und schon sitzt eine iranische Lady auf dem Bike, das ihr wie ich meine ungemein steht. Liebe Zarnoosh, und alle Frauen auf der ganzen Welt die sich eingesperrt fühlen, ich wünsche euch von Herzen, dass „jede nach ihrer Facon“ – wie schon der alte Fritz vor 250 Jahren sagte – glücklich werden könnt ...

Auch hier würden wir gern ein paar Tage bleiben, der Visastress nervt uns mittlerweile. Wir müssen exakt an einem bestimmten Tag in Turkmenistan einreisen, am 29. April. Also geht es weiter, Richtung Tabas.

Wieder endlose Salzwüstenkilometer. Aber auch diese beinahe mediative Stimmung hat irgendwie was. 360 Grad Rundumblick flache Ebene, steinharte Salzkrusten. Wir können nicht anders und machen eine kleine Foto-Session. In dieser halben Stunde kommt nicht ein enziges Fahrzeug vorbei ...

Bei einer Pause später sehen wir zunächst eine Herde Kamele, die auf uns zu kommen, dann kommt der Besitzer – auf einer iranischen „echten“ KTM ...

Dann finden wir den wohl besten Campingplatz unserer bisherigen Reise: nicht einsehbar, nicht ohne weiteres erreichbar, mit grandioser Sicht auf eine mehrere 100 Meter hohe Sanddüne. Einfach beherzt von der Straße nach links auf den kleinen Schotterweg abbiegen, und dann fahren so weit man sich traut… Ein perfekter Tag.

N 33.14.514
O 56.14.499

Morgens packen wir schweren Herzens unser Zeug zusammen und fahren weiter.

Tabas erleben wir wieder einmal crazy. Wir machen dass wir weiterkommen. Abends auf der Suche nach einem sicheren Campingplatz sehen wir ein Riesenschild „Old Karawanserei, Touristik Village 16 km“. Wir biegen ab und es ist zwar kaum zu glauben, aber es wird so richtig einsam. Ist hier überhaupt irgend etwas? Schließlich kommen wir im letzten Abendlicht in einer kleinen Oase an. Natürlich gibt es weit und breit kein Touristik Village… Mohammed lädt uns zum Tee ein, wir können bei ihm schlafen. Als wir unser Zelt in seinem wunderschönen Garten aufgebaut haben, sagt er er schläft bei seiner Mutter, verschwindet und überlässt uns sein Haus. Wir sind wieder einmal sprachlos und stellen uns das Ganze in Deutschland vor.

Am nächsten Morgen zeigt er uns voller Stolz sein Dorf, die Bewässerungsanlage, die alte Siedlung aus Lehm, in der alle noch bis vor 15 Jahren gewohnt haben.

Von nun an geht es Richtung Norden. Bewußt nehmen wir die kleine Nebenstrecke über Eshqabad, Doruneh und Bardeskan. Hier ist weniger Verkehr als auf den Haupttrassen.

Dann wird es deutlich grüner, mit mehr Orten, mehr Leuten. Wir finden es sehr angenehm.

Noch ein, zwei Mal Wildcampen, dann wollen wir uns in Quchan, ca 70 km von der Grenze entfernt, ein Hotel gönnen. Laut Karte soll es eines geben. Wir hatten auf den Wüstenetappen kein Internet, auch eine Dusche wäre mal nicht schlecht. Tja, als wir ankommen und das Hotel finden, ist das geschlossen. Das zweite (und einzige weitere) Haus am Platz wollen wir uns nicht antun, dann doch lieber unser Zelt. Wir geben uns einen Ruck und fahren weiter, finden endlich aus der Stadt heraus und fahren die Straße zur Grenze nach Bajgiran.

Ein wunderbarer Platz, trotz oder wegen des (kurzen) Morgenbesuche ...

N 37.13.350
O 58.28.781

Die gesamte Strecke von Naen über Anarak – Mesr – Khor – Tabas – Bardeskan – Sabzevar – Quchan nach Bajgiran können wir als Geheimtipp weiter empfehlen. Das ist nicht die klassische Route der meisten Traveller. Uns hat es sehr gut gefallen. Wir mögen die Weite der Wüste, die Herausforderung, die Einsamkeit. Wir haben wunderbare Orte entdeckt und gerade in den einsamsten Ecken wunderbare Begegnungen gehabt.

29. April. Wir sind an der Grenze zu Turkmenistan angelangt. Was wird uns hier erwarten? Die Informationen sind dürftig bzw eher negativ. Wir finden es spannend ein solch unnahbares Land mit eigenen Augen zu erfahren.

Auch hier geht es durch die Wüste Karakum. Aber das wird dann eine neue Geschichte.

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